Ich habe mich nach vielen intensiven Gesprächen entschieden, für den Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende zu stimmen.

Vorab: ich beschäftige mich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit dem Thema in unterschiedlichsten Zusammenhängen. Mindestens genauso lange besitze ich einen Organspendeausweis und bin darüber hinaus bei der DKMS als potentielle Spenderin registriert, um Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, helfen zu können.

Und ich weiß nur zu gut aus direkten Gesprächen mit Betroffenen und deren Angehörigen, wie quälend die Wartezeit auf ein neues Organ ist. Und manches Mal ist sie leider auch zu lang. Unbestritten gibt es gute und nachvollziehbare Begründungen für beide Gesetzentwürfe und ich respektiere ausdrücklich jede Stimme für die Widerspruchslösung.

Letztlich habe ich mich von folgenden Argumenten bei meiner Entscheidung leiten lassen:

  • In unserem Grundgesetz steht: „ Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das muss nach meinem Verständnis auch für den sterbenden oder toten Menschen gelten.
  • Spenden sind grundsätzlich etwas Freiwilliges. Was für Geld- oder Sachspenden gilt, muss erst recht für den menschlichen Körper gelten. Die Bereitschaft zur Organspende aus meiner Sicht ist ein Akt praktizierter Nächstenliebe.
  • Schweigen ist nicht gleichbedeutend mit Zustimmung. Genau das aber ist in der Widerspruchslösung impliziert. Es gibt aber unterschiedlichste Gründe, aus denen Menschen sich mit der Frage ‚ja‘ oder ‚nein‘ nicht auseinandersetzen wollen oder auch nicht können. Deshalb dürfen sie jedoch nicht das Recht am eigenen Körper verlieren. Das haben wir als Gesellschaft zu respektieren.
  • Umfragen belegen, dass die grundsätzliche Bereitschaft zu einer Organspende vielfach vorhanden ist. Der Gesetzentwurf zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft sieht daher wesentliche Verbesserungen in der Aufklärung der Bevölkerung und der Dokumentation der individuellen Entscheidungen vor.
  • Es wird in der Diskussion oft übersehen, dass der Mangel an Spendeorganen in Deutschland ganz wesentlich auf strukturelle Defizite in den Krankenhäusern zurückzuführen ist. Das zeigt uns der Blick ins Ausland. Spanien ist das Land mit den höchsten Transplantationszahlen. Aber nicht etwa die dort geltende Widerspruchslösung ist der Auslöser (die gab es ohne erkennbare Verbesserungen bereits seit 1979), sondern erst die gezielten Verbesserungen in Aufklärung, Registration und Krankenhausstrukturen brachten den Durchbruch. Für eine Erhöhung der Spendebereitschaft sind also zwei Dinge unverzichtbar: die schnelle Verbesserung der Strukturen und das Vertrauen der Menschen in eine Organspende. Und am Ende eines Informations- und Aufklärungsprozesses steht die Entscheidung des Einzelnen für oder eben auch gegen eine Organspende. Beides gilt es zu respektieren.