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Die aktuelle Diskussion im Deutschen Bundestag um das Thema „Sterbehilfe“ berührt die Menschen auch deshalb in besonderem Maße, weil die meisten von uns in ihrem Leben – übrigens unabhängig vom eigenen Alter – mit der Problematik des Sterbens, des Loslassens bereits in Berührung gekommen sind.

Diese sehr persönlichen Erfahrungen und auch die daraus gezogenen Schlüsse spiegelten sich in den bisherigen zwei Debatten im Deutschen Bundestag wider. Ich stimme Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert ausdrücklich zu, der von dem vermutlich anspruchsvollsten Gesetzgebungsprojekt dieser Legislaturperiode sprach.  Allen Abgeordneten ist und bleibt es völlig unabhängig von ihrer Fraktionszugehörigkeit überlassen, die eigene Position zu suchen und zu festzulegen.

Nach einer ersten mehrstündigen Orientierungsdebatte im Bundestag Ende letzten Jahres liegen aktuell vier fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe im Parlament vor, die sich durchaus substanziell unterscheiden und am 2. Juli 2015 in erster Lesung beraten wurden. Erneut nahmen neben sachlichen Argumenten für einen der Gesetzentwürfe sehr persönliche Erfahrungen einen erheblichen Raum ein. So wurde nicht nur die juristische, sondern auch die ganze emotionale Bandbreite der Problematik deutlich. Völlig klar ist für mich: Der Staat ist zum Schutz des Lebens verpflichtet. Aber ebenso auch dem Schutz der Menschenwürde. Zu einem Leben in Würde gehört auch ein Sterben in Würde. Es geht also um die schwierige Balance zwischen dem medizinisch Machbaren und der daraus resultierenden Frage, ob alles medizinisch Machbare in der konkreten Situation auch das Sinnvolle ist – und auch, ob es dem Willen des Betroffenen entspricht.

Meine eigene Entscheidung für einen der Gesetzentwürfe  - „Entwurf eines Gesetzes zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ (Drs. 18/5373 Michael Brand, Kerstin Griese, Eva Högl und anderen) – ist nach langer Abwägung und vielen Gesprächen gefallen. Sie ist auch stark geprägt von den Erfahrungen, die ich im letzten Jahr beim Tod meines Vaters machen musste – oder vielleicht besser: machen durfte.

Bei meiner Entscheidungsfindung habe ich mich vor allem von zwei für mich wesentlichen Faktoren leiten lassen: ich lehne eine geschäftsmäßige, auf Wiederholung ausgelegte Suizidbeihilfe von Vereinen oder auch Einzelpersonen ab. Für Angehörige, andere nahestehende Personen und vor allem für Ärzte soll sich nichts am bestehenden Zustand ändern. Mit anderen Worten: mit diesem Gesetzentwurf soll nur so viel wie gerade nötig und so wenig wie möglich geändert werden, denn wir haben in unserem Land bereits gute gesetzliche Grundlagen.

Wörtlich heißt es in dem von mir unterstützten Gesetzentwurf: „Ziel des vorliegenden Gesetzentwurfs ist es, die Entwicklung der Beihilfe zum Suizid (assistierter Suizid) zu einem Dienstleistungsangebot der gesundheitlichen Versorgung zu verhindern. (...) Der hier vorgelegte Gesetzentwurf kriminalisiert ausdrücklich nicht die Suizidhilfe, die im Einzelfall in einer schwierigen Situation gewährt wird.“

Ein wesentlicher Aspekt in der gesamten Debatte sind die heutigen Möglichkeiten der Palliativmedizin. Diese werden im Gesetzentwurf im Zusammenhang mit der „Hilfe beim Sterben“ erwähnt, wie wir sie auf speziellen Palliativstationen oder natürlich in Hospizen vorfinden. Alle Maßnahmen der Palliativmedizin sind selbstverständlich nicht von dieser Neuregelung betroffen. Ebenfalls bleibt der sogenannte ‚gerechtfertigte Behandlungsabbruch’ straflos, also das Unterlassen, Begrenzen und Beenden einer (begonnenen) lebensverlängernden medizinischen Maßnahme, sofern dieses Vorgehen dem Patientenwillen entspricht.

Wer denkt schon gerne an das Sterben, an den Tod? Und wer spricht darüber gerne? Aber gerade das Sprechen mit einer oder mehreren vertrauten Personen – seien es Angehörige, Freunde oder Ärzte - ist unendlich wichtig: durch gute Gespräche, verständnisvolles Zuhören kann vielleicht die Angst vor einem qualvollen Sterben genommen oder zumindest gemindert werden, wenn klar wird: auch der sterbende Mensch verliert seine Würde nicht.

Jeder und jede Abgeordnete wird demnächst eine ganz persönliche Entscheidung treffen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich alle Kolleginnen und Kollegen sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Daher heißt es für mich: selbstverständlich auch diese Entscheidungen zu respektieren, selbst wenn sie zu einem anderen Ergebnis geführt haben als meine eigenen Überlegungen.