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Von Torsten Lehmann

Iserlohn. Sie waren dabei, als auf dem Tahrir-Platz in Kairo Geschichte geschrieben wurde: Hebatalla Elakkad und Sarah Abdel Gelil trugen gemeinsam mit  Tausenden anderen zum Sturz des Regimes von Husni Mubarek bei. Jetzt wollen sich die beiden Ägypterinnen aktiv für die weitere Demokratisierung ihres Landes einsetzen und waren dafür nun knapp vier Wochen im Rahmen des Programms „Internationales Parlaments- Stipendium“ des Bundestages zu Gast in  Deutschland.

Insgesamt 24 jungen Menschen aus den Staaten des „Arabischen Frühlings“ - außer aus Ägypten noch aus Tunesien, Marokko, Palästina, Jordanien und dem Jemen - wurde erstmals diese Gelegenheit geboten. Dagmar Freitag übernahm dabei nicht nur wie 23 ihrer Kollegen aus dem Bundestag jeweils die Patenschaft für einen Gast: Als Berichterstatterin für das Programm in der SPD-Bundestagsfraktion hatte sie zuvor auch die Auswahlgespräche mit den zahlreichen Bewerbern in Tunis und Kairo geführt. 

Wichtigste Zugangsvoraussetzung für die jungen Menschen war dabei die sehr gute Beherrschung der deutschen Sprache. Für Hebatalla und Sarah war das kein Problem, besuchten die beiden doch von klein auf die „Deutsche Schule der Borromäerinnen“ in Kairo. Denn die Einrichtung der katholischen Ordensgemeinschaft der „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus“ umfasst Kindergarten, Vor- und Grundschule sowie Gymnasium. Die heute 21- jährige Sarah ging nach dem Abschluss auf die Amerikanische Universität in Kairo. Nach dem Studium der Politikwissenschaft und des Internationalen Rechts möchte sie am liebsten für das Außenministerium arbeiten.

Die 27-jährige Hebatalla hat Germanistik an der Universität Kairo studiert, arbeitet dort derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und möchte Schriftstellerin werden. Politisch engagiert sie sich in der „Verfassungspartei“ („Dostour“), einer Volkspartei, die der frühere Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation und Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei vor einem Monat gegründet hat, während sich Sarah einer der zahlreichen liberalen Parteien angeschlossen hat. „Wir haben im Moment einen richtigen Parteienboom“, sagt Hebatalla. Eigentlich, so Sarah, seien es schon „viel zu viele Parteien“, da die große Zahl die Suche nach einer gemeinsamen Linie erschwere, wodurch es die „Freiheits- und Gerechtigkeitspartei“ der Muslimbruderschaft leicht habe bei der Behauptung ihrer führenden Position. Aber sie kann beruhigen: „Ägypten wird kein zweiter Iran.“

Sarah stört dann auch weniger die Nähe der Partei zum Islam, als vielmehr die mangelnden politischen Fähigkeiten ihrer gewählten Vertreter. Als gute Demokratin akzeptiert sie aber natürlich das Ergebnis der Wahlen Ende vergangenen Jahres, zumal sie überzeugt ist, dass die Bevölkerung nicht aus religiösen Gründen, sondern aus Verunsicherung und dem mangelnden Vertrauen in die Politik so gewählt hat. „Durch die jahrzehntelange Korruption ist es den Menschen unheimlich schlecht gegangen.“ Auf Tahrir-Platz herrschte Festival-Atmosphäre  Für den „größten Verdienst der Revolution“ hält es indes Hebatalla, dass sich „so viele  Menschen heute in Ägypten weiter mit Politik auseinandersetzen“.

Für die, die Ende Januar und Anfang Februar 2011 auf dem Tahrir-Platz dabei gewesen seien, sei es sowieso keine Frage, sich weiter zu engagieren. Eine besondere Stimmung habe damals dort geherrscht: Während man zu Hause vor dem Fernseher die Lage als bedrohlich empfunden habe, die öffentliche Sicherheit ja tatsächlich auch nicht mehr gewährleistet war und es vielerorts zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei kam, bei denen insgesamt 850 Menschen starben, bildete sich auf dem Platz, dem Zentrum der Proteste, eine Art Gemeinschaft. „Es wurde gelesen, diskutiert und gesungen, es herrschte eine Atmosphäre wie bei einem Festival“, berichtet Hebatalla. Und Sarah ergänzt: „Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kamen zusammen, und anders als wie man es bisher kannte, fühlte man sich auch als Mädchen auf offener Straße sicher, denn alle hatten nur das eine Ziel vor Augen.“

Wie sie bei der weiteren Demokratisierung ihres Landes mithelfen können - dazu sammelten sie in den vergangenen Wochen viele Erfahrungen in Berlin, aber auch in Iserlohn, wo sie unter anderem zudem das Frauenhaus besuchten, und in weiteren Städten des Wahlkreises von Dagmar Freitag. Die SPD-Abgeordnete und auch Wolfgang Thierse, der die Besuchspatenschaft für Sarah übernommen hatte, möchte die Bemühungen der beiden auch zukünftig unterstützen: „Wir halten auf jeden Fall Kontakt, und wo immer wir helfen können, werden wir das tun.“