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Der Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ) hat in dieser Woche ein längeres Interview mit dem Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Julius Beucher geführt. Von 1998 bis 2002 war Beucher Vorsitzender des Sportausschusses des Deutschen Bundestages und somit einer der Vorgänger von Dagmar Freitag in dieser Position.

Das Interview im IKZ führte Michael Topp:

"Wer mit ihm über sein Amt spricht, der spürt sofort: Dieser Mann ist begeistert von jenen, für die er sich einsetzt, für deren Belange er kämpft. Friedhelm Julius Beucher ist seit 2009 Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Und er übt dieses Amt in einer Phase aus, in der Sport für Menschen mit Handicap einen enormen Umbruch erlebt und eine bislang nie dagewesene Popularität erlebt.

„Ein Quantensprung“, beschreibt der 67-Jährige beim Besuch in unserer Redaktion diese Entwicklung und verdeutlicht dies. Als 1992 in Barcelona die ersten Paralympischen Spiele ausgetragen wurden, gab es darüber einen kurzen Bericht. „In einer Gesundheitssendung des ZDF“, erinnert sich der Bergneustädter. Heute gehören Berichte über Behindertensportler und deren Leistungen praktisch zur Normalität, von den Paralympics gibt es eine umfangreiche Liveberichterstattung. Erstmals geschah das in Syndey im Jahr 2000. „Da wurden preisgünstig Bilder zur Verfügung gestellt“, berichtet Beucher vom Schritt in das Medienzeitalter.

Und öffentliche Präsenz der Spitzensportler ist natürlich wichtig für den Breitensport. „Unsere Leistungssportler sind die Leuchttürme“, sagt Beucher. „Sie machen Mut, ins Leben zurückzukommen.“ Zudem ermöglicht deren Popularität auch professionellere Strukturen, Behindertensport ist inzwischen auch für Sponsoren attraktiv geworden. Es steht nicht mehr die Behinderung im Blickpunkt, sondern die Leistung. „Wir bieten keinen langweiligen Sport.“

Vielfältige Aktivitäten

Seit Juni 2009 führt Beucher den Deutschen Behindertensportverband als zuständigen Spitzenverband im Deutschen Olympischen Sportbund. Zuvor war er Kuratoriumsvorsitzender des Behindertensportverbandes. Von 1990 bis 2002 gehörte der SPD-Politiker dem Deutschen Bundestag an und leitete von 1998 bis 2002 den Sportausschuss des Bundestages. Damit war er einer der Vorgänger von Dagmar Freitag. Als „Dreamteam“ bezeichnet er die Zusammenarbeit mit der heimischen Bundestagsabgeordneten.

Beucher sammelte seine ersten Funktionärserfahrungen seit 1975 als Sportausschussvorsitzender von Bergneustadt. Er machte eine Rechtspflegerausbildung, studierte Pädagogik und Sport, wurde Lehrer, Fachleiter, Rektor und leitete schließlich eine integrative Schule. Sportlich aktiv war Beucher als Mittelstreckler. Als 16-Jähriger lief er die 1000 Meter in 2:38,2 Minuten. Mit der 3x1000 Staffel des TV Bergneustadt gelang die DM-Qualifikation. Als Marathonläufer war er ebenso unterwegs wie als Skilangläufer, nahezu alle Klassiker hat er bewältigt. Zudem gehörte er zur Fußball-Mannschaft des Bundestages. „Außerdem bin ich auf Inlinern oder mit dem Fahrrad unterwegs“, beschreibt er seine eigenen Aktivitäten.

Auslöser für Beuchers Interesse am Behindertensport war Rainer Schmidt - Pastor, Kabarettist und Tischtennisspieler. „Es war faszinierend, wie er in Barcelona mit Armprothesen gespielt hat.“ Gleichzeitig wurde Beucher bewusst, dass dem Behindertensport die Lobby fehlte.

Inzwischen gibt es über 6000 Vereine in 17 Landesverbänden mit rund 650 000 Mitgliedern und 36 000 lizenzierten Übungsleitern, Reha- und Breitensport haben den größten Anteil. „Und der Zulauf ist weiter enorm. Aber wir haben die gleichen Finanzprobleme wie andere Verbände. Wir rennen der Weltspitze nicht hinterher, doch wenn wir bei der Leistungsexplosion mithalten wollen, benötigen wir mehr Geld. Daher wünsche ich mir mehr Dagmar Freitags. Sie ist eine hervorragende Partnerin, wenn es um die Vertretung der Belange der Behinderten geht.“

Integration in Fachverbände

In diesem Zusammenhang ist auch das Thema Inklusion wichtig, also das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten. „Vor Ort erfolgt das teilweise doch schon. Und es gibt Tendenzen, dass paralympische Sportarten in die Fachverbände integriert werden“, verweist Beucher u. a. auf den Tennissport. Doch ist die Akzeptanz nicht erst dann wirklich perfekt, wenn Olympische Spiele und Paralympics gemeinsam ausgetragen werden? „Das ist unrealistisch“, so Beucher und Hinweis auf den enormen organisatorischen Aufwand angesichts der Masse an Sportarten und Aktiven. „Keine Stadt in der Welt ist dazu in der Lage.“ Aber eine gemeinsame Weltmeisterschaft wäre denkbar. Die Kanuten haben es zuletzt in Duisburg bewiesen. „Das ist top!“

Top findet der DBS-Präsident auch das, was der ehemalige Iserlohner Eishockey-Profi Andreas Pokorny als Bundestrainer der Sledgehockey-Nationalmannschaft leistet. „Er ist ein Gewinn“, sagt der Funktionär nicht nur vor dem Hintergrund des Gewinns der B-Weltmeisterschaft. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft die Qualifikation für die Paralympics in Sotschi schafft.

(Quelle: www.derwesten.de)